Die zweite Terrasse:

Auf der zweiten Felsterrasse befindet sich an der Südseite der Wehrmauer, gegenüber der Hochburg, das zweite tonnengewölbte Burgtor. Dieses Tor stellte im 12. Jahrhundert das Haupttor der Anlage dar, welche dadurch mit der tiefergelegenen Terrasse, auf der sich die Kirche der Hl. Gertrud von Nivelles befindet, verbunden war. Die Anfänge der Getrudskirche können in das 12. Jahrhundert datiert werden, und sie bildete daher mit der Burg eine Einheit. Über dieser Toranlage befand sich vermutlich die Burgkapelle, die dem Hl. Pankraz geweiht war. Diese Kapelle entsprach dem Kirchentypus von Langhaus mit Rundapside und kann heute nur mehr erahnt werden. Ihre Ausmaße entsprachen wahrscheinlich 5,30m x 6,95m. Westlich der Kapelle befand sich der im 16. Jahrhundert erbaute mehrgeschoßige Saalbau der ehemaligen Babenbergeranlage mit Wirtschafts- und Gesindetrakten im Untergeschoß. Im 13. Jahrhundert wurde die alte Tormauer, die bereits ins 11. Jahrhundert datiert werden kann, im Süden nach Norden erweitert. Diese zweite, mehreckige Ringmauer führte nun um die ehemalige Residenz der Babenberger, wobei die Mauern zum Teil aus Bruchstein- und Quadermauerwerk bestanden. Daran anschließend wurden im 18. Jahrhundert Wirtschaftsräume und Wagenschuppen gebaut. Im westlichen Teil der Ringmauer wurden zwei Schildtürme eingebaut, an der Nordecke befand sich der Nordturm mit oktonalem Grundriss und Hocheinstieg in sieben Metern Höhe, der ebenfalls im 13. Jahrhundert angelegt wurde. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts wurde die heutige, ebenerdige Durchfahrt durchbrochen. Dieser Turm wurde aus einem ursprünglich viereckigen, niedrigeren Turm in diese Form gebracht und kann aufgrund seiner Bauweise als "Bergfried" bezeichnet werden. Auch wird er im Volksmund "Diebsturm" oder "Hungerturm" genannt. Nördlich dieses 21 Meter hohen Turmes, der einen Wehrgang aufwies, wurde im 17. Jahrhundert eine Bastion vorgelagert. Die Mauern wurden außen durch Futtermauern und Streben geschützt und durch Ecktürme und innen offene Schildtürme verstärkt. An der Innenseite der Mauer befand sich ein Wehrgang, dessen Zugang über die beiden Mauertürme erfolgte. Diese bedeutenden Erweiterungen des 13. Jahrhunderts gegen Norden erkennt man in der nun planvollen Durchführung als auch an der Technik der Mauerführung sowie in der Anlage der Türme und des neuen Nordtores. Im Süden wurde ebenfalls im 13. Jahrhundert ein weiterer Turmbau errichtet - über den Resten der ehemaligen Burgkapelle und des Tores wurde der sogenannte Fleischturm angelegt, der im 16./17. Jahrhundert ausgebaut wurde. Die Anlage war im Norden als auch im Süden durch Gräben geschützt.
An der Nordostseite der Burg, dem Markt Gars zugewendet, wurde um 1600 der lange, dreigeschoßige Renaissancetrakt errichtet, wobei im Südosten die alten Mauern aus dem frühen 13. Jahrhundert verwendet wurden.
Innenansicht der Ringmauer mit Schildturm
Bergfried mit oktonalem Grundriss
Innenansicht der Ringmauer mit Schildturm
Bergfried mit oktonalem Grundriss
zurück