Die Zeit vom 14. Jahrhundert bis zum Beginn der Neuzeit

Die Herrschaft der Maissauer auf der Burg Gars reichte von 1320/1374 bis zum Jahr 1429. Dieses Ministerialengeschlecht spielte im 13., 14. und 15. Jahrhundert eine nicht unbedeutende Rolle und es lässt sich bis in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückverfolgen, wobei es erst Ende des 13. Jahrhunderts bedeutsam wurde. Im Jahre 1440 erlischt dieses bedeutende Geschlecht.
Sieben Maissauer bekleideten von 1278 bis 1440 das Amt des obersten Marschalls in Niederösterreich, auch hatten sie das Oberstschenkamt für ein Jahrhundert erblich inne.
Heidenreich von Maissau, der 1367 gemeinsam mit seinem Bruder Ulrich sowie mit Dorothea mit der Feste Gars belehnt wurde, bekleidete das oberste Schenkenamt, ebenso war er Landmarschall. Durch seine Eheschließung mit Anna, der Erbtochter der Kuenringer, legte er den Grundstein für den Reichtum des Geschlechts. Heidenreich von Maissau trat immer wieder gemeinsam mit Herzog Rudolf IV. als Zeuge auf. Auch trat er als Geldleiher der Herzöge auf und erhielt dadurch verschiedenste Vergünstigungen.
1380 belehnte Herzog Albrecht III. Heidenreich von Maissau mit der Feste Gars samt Landgericht. Weiters wurde er mit der Feste "Herttenstain" sowie den Dörfern "Purckhartstorff" und "Erels", mit dem Gericht zu Ottenschlag und Losch und Gütern in Kirchbach, Rabentann und Griezpach im Zwettler Gericht, das von den Kuenringern herstammt, belehnt.
Heidenreich von Maissau, der "Burgherr" von Gars verstarb im Jahre 1381 und seine Söhne Hans III. und Georg von Maissau erhielten durch Erbschaft die Herrschaft Gars, die Festen Statz und Allentsteig, Ottenschlag und Ortenstein sowie Hartenstein, Tuersenstein (am Kamp gelegen), Stiefern und Maissau. Diese Besitzungen wurden 1388 von Heinrich von Dachsberg gepfändet. Diese Linie der Maissauer starb Anfang des 15. Jahrhunderts aus und nun trat Otto IV., der aus der Marschalllinie stammte, hervor. Ihm fiel sowohl das oberste Schenkamt als auch das oberste Marschallamt sowie das Amt des Landmarschalls zu. Somit vereinigte er drei sehr angesehene Ämter in seiner Person. Als 1411 die Vormundschaft über den jungen Herzog Albrecht zu Ende war, wurde er für seine treuen Dienste belohnt und erhielt so das Gericht zu Gars. Auch scheint derselbe noch vor 1415 den großen Teich zwischen Maiersch und Kotzendorf angelegt zu haben.
1429/30 wurde Otto von Maissau jedoch plötzlich verhaftet. Er wurde beschuldigt, einen Bund der Landherren gegen den Herzog angestiftet zu haben und ihm wurden viele Güter, darunter die Feste und der Markt Gars sowie das Landgericht Gars abgesprochen. Otto von Maissau lebte noch zehn Jahre. Mit seinem Tod im Jahre 1440 starb das Geschlecht der Maissauer aus.
Während der Herrschaft der Maissauer erschienen 1392 Leonhard Stoytzendorfer, 1395 Ulrich Egenburger und 1398 Stephan Alberndorfer als Pfleger der Feste Gars, d.h. als "Burggrafen". Im Jahre 1429 ist noch Hans Stockharner als Pfleger unter den Maissauern nachweisbar.
Nachdem die Maissauer unter Otto IV. die Herrschaft Gars verloren hatten, blieb Gars von 1430 bis 1444 landesfürstlich, d.h. der Burggraf war der Landesherr. Die Herrschaft Gars war davor ein landesfürstliches Lehen, welches erblich war und neben der Grundherrschaft oft Sonderrechte umfasste. Es diente als Entschädigung für geleistete oder zu leistende Dienste des Burgherren. Ab 1429/30 wurde Gars nicht mehr als Lehen vergeben, sondern als Pfand. Gegenleistung für diese Pfandschaft war die Gewährung eines Darlehens. Wurde allerdings der Pfandschilling nicht bezahlt, so kam der Besitz an einen neuen Herren.
Während in den Jahren 1114-1429/30 nur zwei Geschlechter, nämlich das Geschlecht der Garser Burggrafen und das Geschlecht der Maissauer die Herrschaft Gars inne hatten, so wechselte die Burgherrschaft in den nun folgenden Jahrzehnten unter mehreren Adelsfamilien. Da Gars nach 1429 landesfürstlich blieb, verwalteten Pfleger den Besitz.

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